Scythe & Sparrow – Brynne Weather
Es gibt Bücher, die man zuklappt und sofort weiß: Das hat mich auf eine besondere Art erwischt. „Scythe & Sparrow“ gehört für mich genau in diese Kategorie – wenn auch nicht ohne kleine Stolpersteine.
Rose war eine total interessante Pro. Sie ist kompromisslos, blutig – und trotzdem verletzlich. Schon nach den ersten Kapiteln spürt man, dass ihre Geschichte einen Sog entwickelt, der nicht so leicht loslässt. Das Setting im Zirkus, die Tarotkarten, die düstere Moral – all das wirkt wie ein schillernder Vorhang, hinter dem es viel gefährlicher ist, als man zuerst denkt. Und dann tritt Fionn auf: Arzt, kontrolliert, dunkel gezeichnet – und in seiner Zerrissenheit absolut faszinierend. Das Knistern zwischen den beiden hat mich irgendwann so erwischt, dass ich alles um mich herum vergessen habe.
Und doch: So sehr ich die Dynamik zwischen den Figuren mochte, manchmal war es mir zu viel Kopfkino. Die langen Grübeleien haben das Tempo gebremst, und ich habe mir mehr von dem sarkastischen, rabenschwarzen Humor gewünscht, der Band 1 für mich unvergesslich gemacht hat. Auch der „Dark“-Anteil hätte für meinen Geschmack kräftiger ausfallen dürfen und der Spice dafür etwas weniger.
Besonders spannend fand ich die Perspektivwechsel, wenn man bekannte Szenen aus den Vorgängerbänden plötzlich aus einem anderen Blickwinkel erlebt.
Unterm Strich ist „Scythe & Sparrow“ für mich der ruhigste Teil der Reihe – aber keineswegs der schwächste.
