Die Sonnenfeuer-Ballade 2 von Julia Dippel

Der zweite Band der Sonnenfeuer-Ballade hat mich mit einem Gefühl von Staunen und Frustration zurückgelassen – eine reizvolle Mischung, wenn man es positiv sehen will. Sprachlich und atmosphärisch bleibt das Buch ein Genuss: Der Wechsel vom abgeschotteten Herbergswinter zur opulenten, aber trügerischen Pracht des Karmesinhofs eröffnet neue, lebendige Facetten der Welt, die ich regelrecht aufgesogen habe. Intrigen, Maskenbälle, geheime Gänge – hier pulsiert das Leben unter der Oberfläche, und das Rätsel rund um die Stimme in den Schatten zieht einen angenehm düster in die Tiefe.

Wenn Sintha und Arez dem Geheimnis um den Tod von Arez’ Bruder nachspüren, ist die Geschichte am stärksten. Vor allem Sinthas Herkunft als letzte Onyde bekommt endlich mehr Gewicht – diese Entwicklung hätte gern noch mehr Raum einnehmen dürfen.

Was mich jedoch oft aus dem Lesefluss riss, war die Dynamik zwischen Sintha und Arez. Seine Mischung aus Vorwurf, Kontrollbedürfnis und Heldenpathos ließ mich nicht selten mit den Augen rollen. Statt einer gleichberechtigten Partnerschaft entwickelte sich da eher eine Einbahnstraße aus Drama und Dominanz.

Trotzdem: Der Roman weiß mit Twists zu überraschen, stellt neue Fragen, wo alte beantwortet werden, und bereitet elegant den Weg für das Finale. Es bleibt also spannend – und ich bleibe dran.

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