Eternal Ending – Merit Niemeitz

Eternal Ending ist kein Buch, das man einfach liest. Es ist eines, das man fühlt, durchdenkt, durchlebt – und manchmal auch durchleidet. Merit Niemeitz gelingt es erneut, nicht nur Geschichten zu erzählen, sondern Seelenzustände in Sprache zu verwandeln. Was als leises Innenleben beginnt, wird zu einer emotionalen Klangwelt, die lange nachhallt.

In diesem dritten Band treffen wir auf Kendrea – eine Figur, die nicht laut schreit, sondern in feinen Rissen bebt. Sie denkt zu viel, fühlt zu tief, schweigt zu oft – und genau darin liegt ihre Kraft. Ihr ständiges Zerdenken, ihr Wunsch zu verstehen, wo andere längst handeln, macht sie nicht nur greifbar, sondern unangenehm vertraut. Denn wer hat nicht schon erlebt, wie es ist, in fremde Erwartungen gezwängt zu werden, bis man sich selbst nicht mehr erkennt?

Und dann tritt Keaton in ihr Leben – nicht als Retter, sondern als Spiegel. Einer, der ihre Bruchlinien nicht kitten will, sondern sie sichtbar macht, um darin gemeinsam etwas Neues zu bauen. Ihre Verbindung lebt nicht vom klassischen Prickeln, sondern vom Gefühl, endlich gesehen zu werden – mit all den Unfertigkeiten, Fragen und Narben.

Niemeitz schreibt poetisch und präzise zugleich. Jeder Satz wirkt, als wäre er durch tausend Gedankenschleifen gefiltert, bis nur noch die Wahrheit übrig blieb. Und zwischen all der Melancholie, den Fragen nach Identität, Familie, Freundschaft und Freiheit, steckt auch Hoffnung – leise, aber kraftvoll.

Das einzige, was mich von der vollen Punktzahl abhielt, ist ein gewisser emotionaler Gleichklang, der an manchen Stellen etwas mehr narrative Wucht vertragen hätte. Doch vielleicht ist genau das auch Absicht – dass dieser Band nicht laut knallt, sondern sich wie Nebel ins Herz legt.

Fazit:
Eternal Ending ist wie ein letzter Tanz im inneren Chaos – zart, schmerzhaft, ehrlich. Kendrea und Keaton sind keine Helden im klassischen Sinne, sondern stille Kämpfer gegen die Stimmen im Kopf. Und genau deshalb bleibt ihre Geschichte so nah.

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